Alles andere als ein Kavaliersdelikt: Spoilern

Ich liebe Wörterbücher und bin nicht nur berufsbedingt Fan des Dudens. Der gelbe Ziegelstein stellt schließlich eine Momentaufnahme unserer Sprache dar, voll mit alten Bekannten und Unbekannten sowie herrlichen Wortneuschöpfungen. Eines meiner Lieblingswörter aus dem Bereich Anglizismus, das ich zurzeit fast täglich benutze, ist Spoiler. Befragt man unseren Duden darüber, so erfährt man jenseits des Einsatzes in Kfz- und Flugwesen sowie Skitechnik folgendes:

Spoiler [ˈʃpɔ͜ylɐ]: Zusammenfassung eines Films, Buchs oder Ähnlichem, die dem Leser oder Zuschauer das Interesse an der Geschichte verdirbt, indem für Spannung sorgende Informationen aus der Handlung verraten werden.“

Das Wort, das in dieser Definition für mich maßgeblich ist, lautet verderben, und zwar in der passiven Bedeutung – nicht man selbst, sondern jemand anderes verdirbt einem das Interesse. Opfer einer solchen Tat zu werden, gehört für jeden Unterhaltungsjunkie zu den schlimmeren Verbrechen im Medienkonsum. Spoilern ist für mich persönlich nicht nur ein Kavaliersdelikt, sondern verachtenswert. Egal ob Dumbledore, Han Solo oder Hodor – sie alle sind große erzählte Figuren unserer Zeit und haben es verdient, dass jeder ihr Schicksal unmittelbar und selbst erlebt. Wenn jemand anderes das Geheimnis eines Stoffes durch spoilern lüftet, wird jede Geschichte damit klein gemacht und jenes Interesse, das der Duden so betont, geht zwangsläufig verloren.

Zum Glück hat unsere Generation sich eine große Portion Medienbildung angeeignet – und deshalb wissen wir alle, dass sich spoilern nicht gehört. Oder zumindest wissen wir, dass es spoilersensible Zeiten oder Anlässe gibt. Wer zum Beispiel Spoiler über die aktuelle Staffel Game of Thrones vermeiden will, liest während der Ausstrahlung seine Timeline nicht zu detailliert – geschweige denn Artikel, die in Großbuchstaben auf ihren Spoilerinhalt hinweisen. Dass sogar Medien wie der Spiegel ihre Artikel mit der Überschrift „SPOILERWARNUNG“ versehen, gehört mittlerweile zum guten Ton. Man kann sagen: Das Spoiler-Management unserer Zeit funktioniert.

Spiegel

In den letzten Wochen habe ich mit vielen Leuten über die Game of Thrones-Ausstrahlung diskutiert und bin heilfroh, dass niemand – wirklich niemand – mich spoilern konnte. Der Grund ist die weltweit zeitgleiche Ausstrahlung, die dazu führt, dass jeder Fan erstmals (!) den gleichen Kenntnisstand besitzt. Nicht mal die Buchleser, die das Buch theoretisch vor mir gelesen haben könnten, konnten mich spoilern. Und auch wenn ich das Buch der TV-Serie vorgezogen hätte, genieße ich es in vollen Zügen, gerade absolut keiner Game of Thrones-Spoilergefahr ausgeliefert zu sein. Also her mit den letzten beiden Episoden der sechsten Staffel und schöööön das Interesse an der Geschichte zelebrieren.

Quellen:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Spoiler
http://www.spiegel.de/kultur/tv/game-of-thrones-so-beginnt-die-sechste-staffel-a-1089119.html

 

 

 

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